100.000 vermisste Kinder

Jährlich gibt es in Deutschland rund 100.000 vermisste Kinder, was an sich erst einmal sehr besorgniserregend klingt. Die gute Nachricht, nur 2% bleiben länger verschwunden, die meisten von ihnen tauchen innerhalb einiger Stunden bis wenigen Tagen wieder auf.

Es gibt unterschiedliche „Gruppen“ vermisster Kinder. Die einen verschwinden aus eigenem Antrieb, die anderen ungewollt und wiederum andere durch Fremdeinwirken.

Ausreißer

98% der vermissten Kinder sind so genannte Ausreißer, sie verschwinden aus eigenem Antrieb, das heißt sie beschließen selbständiges ihr gewohntes Umfeld zu verlassen. Die meisten von ihnen sind zwischen 10 und 17 Jahre alt. Die Gründe für’s Weglaufen sind vielfältig:

Sie folgen anderen Personen (oft älteren) oder Gruppen, zu denen sie eine Beziehung aufgebaut haben und in deren Abhängigkeit sie stehen. Auch Internetbekanntschaften sind häufig ein Grund. Oft laufen Kinder auch weg, weil sie zuhause, oder in ihrem Umfeld gemobbt werden oder missbraucht wurden. Kinder, die von sich aus weglaufen, sind unglücklich und haben einen Drang nach Freiheit. In vielen Fällen sind oft auch Ärger mit den Eltern, schlechte Leistung in der Schule oder Liebeskummer ein Grund von Zuhause wegzulaufen.

Verlaufen

Viele Kinder, die oftmals gar nicht in den offiziellen Statistiken erfasst werden, weil die Eltern sie vorher selber wiederfinden, oder andere Personen helfen, dass das Kind wieder wohlbehalten zurückkehrt, haben sich schlichtweg verlaufen. Dies passiert vor allem den jüngeren Kindern sehr schnell, denn sie sind oft mit Reizüberflutungen schlicht überfordert und haben einfach noch nicht gelernt sich zu orientieren. Besonders bei großen, unübersichtlichen Veranstaltungen, großen Menschenaufläufen, oder beim Einkaufen, wenn die Eltern und Kinder abgelenkt und weniger aufmerksam sind, kommt es schnell vor, dass das Kind verloren geht.

Kindesentzug

Hierunter fallen alle Fälle, wo das Kind den Eltern gegen ihren Willen entzogen wird, egal ob Kindesentführung, Kindesmitnahme oder Kindesentzug. Dies kann durch eine fremde Person, eine Person aus dem Umfeld der Eltern oder des Kindes, oder auch ein Elternteil passieren.

ungeklärte Vermisstenfälle

Als ungeklärte Vermisstenfälle gelten all jene vermissten Kinder, deren Schicksal ungeklärt ist. In diesen Fällen fehlt für das Verschwinden des Kindes meist über Monate manchmal auch Jahre hinweg jeglicher Hinweis auf den Verbleib. 2013 gab es laut BKA insgesamt 1.836 ungeklärte Vermisstenfälle von Kindern. 478 von ihnen waren im Alter zwischen 0 und 13 Jahren. 1.358 galten bereits als Jugendliche mit einem Alter von 14-17 Jahren. Diese Zahlen beinhalten sowohl Fälle, die innerhalb von wenigen Tagen aufgeklärt werden konnten, als auch Fälle, die seit bis zu 30 Jahren ungeklärt sind.

Was Eltern tun können

Sollte euer Kind vermisst sein, erstattet sofort eine Vermisstenanzeige bei der Polizei. Ruft all die Freunde eures Kindes und deren Eltern an, vielleicht können sie euch weiterhelfen. Anschließend achtet unbedingt darauf, dass ihr erreichbar seid. Also keine langen, unnötigen Telefonate, aufgeladene Akkus und ganz wichtig, achtet darauf, dass ihr guten Handyempfang habt. Es sollte auch immer jemand zuhause sein, falls an der Tür geklingelt wird. Und so schwer es auch fällt, versucht ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen.

Verein „Initiative vermisste Kinder“

Neben der Polizei ist der Verein „Initiative vermisste Kinder“ für Eltern, deren Kind vermisst ist, die einzige weitere Anlaufstelle. Die Initiative ist Betreiber der Facebookseite „Deutschland findet euch„, wo Bilder und Fakten zu vermissten Kinder verbreitet werden. Außerdem kann der Verein auch über Infoscreens zum Beispiel an Bahnhöfen Suchmeldungen von vermissten Kindern verbreiten und verfügt auch über Suchdrohnen.

Suchmeldungen sollten immer über den Verein rausgegeben werden und nicht privat gestartet werden. Eine private Suchmeldung kann unkontrollierbar werden und wird unter Umständen noch weiter geteilt, auch wenn das Kind längst wohlbehalten wieder zurück ist. Der Verein hingegen kann die Suchmeldung aus dem sozialen Medien nehmen und durch eine positive Meldung ersetzen.

Für Eltern gibt es eine rum die Uhr besetzte Telefon-Hotline 11 66 00. Pro Jahr gehen hier rund 10.000 Anrufe besorgter Eltern ein.

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